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Delphintherapie 2004

Was haben andere Menschen an Adrian bemerkt?

Ich war total gespannt, ob Andere auch Fortschritte bei Adrian gesehen haben.

Im Kindergarten wartete ich nun auf eine positive Rückmeldung. Adrian ist kurz nach Ostern mit seiner Gruppe für 3 Tage zu einen Kindergartenausflug verreist. Als sie wiederkamen sprach mich seine Erzieherin an und meinte, Adrian sei wesentlich aufrechter in seiner Haltung, er laufe wesentlich länger und sein Gangbild habe sich verbessert. Also habe ich es nicht nur allein so gesehen. Es hat ihm etwas gebracht, auch seine Krankengymnastin im Kindergarten war derselben Meinung.

Sein Ergotherapeut sah einen Sprung in seiner sprachlichen Entwicklung.

Andere Mamas aus dem Kindergarten sagten ebenfalls, er habe sich total gut gemacht. All das gibt mir nun recht, das ich es versucht habe und wieder versuchen werde.

Adrians Sprachschatz wird in meinen Augen besser, ADI setzt er öfter ein, auch BITTE kommt immer wieder. BALL sagte er auch wiederholt, und immer in der richtigen Situation......

Ich werde hoffentlich schnell hier noch einiges mehr schreiben, aber momentan lässt es die Zeit nicht zu ....

Erste Woche:

15.03.2004 (1.Tag):

Heute also sollte die Therapie beginnen, morgens um 08:00 Uhr begann unser Tag mit dem Informationsgespräch. Uns wurde der Therapieablauf, die Therapeuten und die Ziele vorgestellt. Wir bekamen unsere Therapietermine und die Termine für die Workshops. Adrian hatte in dieser Woche um 11:30 Uhr seine Session.

Um 11:00 Uhr kamen wir pünktlich auf dem Therapiegelände an. Gail, seine Therapeutin, gelernte Physiotherapeutin, kam zu uns, um Adrian und uns zu begrüssen, ausserdem stellte sich die Praktikantin Ines bei uns vor, sie sollte Adrian beim Umziehen und während der Therapie begleiten und gleichzeitig als Dolmetscherin fungieren. Zu Beginn stellte Gail uns einige Fragen zu Adrians Behinderung und evtl. Auffälligkeiten. Dann ging es endlich los. Alle Kinder, die in dieser Session Therapie hatten, begannen mit einem gemeinsamen Singkreis, in dem sich die Kinder durch die Musik vorstellten. Anschliessend begaben sich Adrian, Gail und die Praktikantin auf das Therapiedock, um Nicky, seinen Delphin kennen zulernen. Nicky hat ein Junges bei sich, einen 7 Monate alten Delphinjungen namens Leo. Wir sassen gegenüber des Docks und konnten von hier aus alles gut beobachten. Zuerst machte die Therapeutin Adrian mit Nicky bekannt. Er sollte die Füsse ins Wasser halten, was ihm am Anfang nicht ganz so geheuer war. Doch nach anfänglichem Zögern fand er Gefallen daran, er warf dem Delphin einen Ring zu, und rief ihn, genau wie Gail es ihm zeigte und freute sich riesig, wenn Nicky ihm den Ring zurückbrachte.

Jetzt wurde es ernst, Gail zog sich ihre Schwimmflossen an und ging zuerst ins Wasser, dann nahm sie Adrian auf den Arm und lies ihn langsam ins Wasser gleiten. Vorsichtig schwamm Nicky um Adrian herum, ein wenig ängstlich beobachtete er die Situation, doch nach wenigen Minuten war seine Scheu überwunden. Er fasste Nicky an und lies sich auch mit Gail von ihr durchs Wasser ziehen. Während der Therapieeinheit wechselten sich die Arbeit auf dem Dock und die Belohnung im Wasser durch den Delphin ab...

16.03.2004 (2.Tag):

Als wir gegen 11 Uhr auf dem Weg zur Therapie waren, fragte ich Adrian, ob wir nun zu Nicky fahren und er rief ganz laut jaaaaaa und riss die Arme in die Höhe. Heute hatte Gail wieder ein paar Fragen zu seiner Entwicklung und Geburt. Danach erklärte sie uns, welche Ziele sie für die Therapie sah. Das war einmal die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeit, evtl. über das PECS System (Bildkarten mit Symbolen), Erreichen einer besseren Feinmotorik in den Händen, sein manchmal frustriertes Verhalten einzudämmen, was mit der verbesserten Kommunikationsmöglichkeit passieren sollte. Weiterhin wollten sie erreichen, das er lernt, Befehle auch auszuführen und ein Nein als solches akzeptiert. Nach den Gesprächen ging es dann wieder zu Nicky auf das Dock. Sie arbeiteten in der gleichen Art und Weise wie am Vortag mit ihm. Mein Eindruck ist, das Adrian viel Spass an der Interaktion mit dem Delphin hat und dadurch auch seine ihm vorher gestellten Aufgaben schnell erledigt, um zum Spiel mit Nicky übergehen zu können. Gail sagte nach der Session, das es super war und der Delphin Adrian sehr mögen würde, das äussere sich dadurch das Nicky auch ohne Befehl durch den Trainer zu Adrian kommen würde und das wäre etwas besonderes...und sie meinte Adrian sei ein „Smart Boy“.

Am Abend war Elterntreff in Key Largo bei Gilberts, dort trafen sich alle Eltern mit Kind zu einer gemütlichen Runde um Erfahrungen auszutauschen und einfach einen schönen Abend zu haben. Wir lernten dort KIKI – Kirsten Kuhnert- kennen, die Autorin von „Jeden Tag ein kleines Wunder“ und Gründerin von Dolphin AID. Ich war angenehm überrascht von der familiären Atmosphäre, die dort herrschte, man konnte mit ihr über alles reden und man hatte das Gefühl, man kenne sich schon seit Jahren. Ich habe lange mit ihr über die anderen Therapiezentren geredet und nun weiss ich sicher, das ich alles richtig gemacht habe. Sie erzählte uns von ihrem neuen Buch, das bald in Deutschland im Handel erhältlich sein wird, „Der Beweis eines Wunders“, darin geht es um die wissenschaftliche Belegung des Nutzens der Therapie. Ich werde es auf alle Fälle lesen. Sie wünschte uns viel Glück, alles Liebe und ich muss sagen es war ein toller Abend in toller Atmosphäre mit tollen Menschen...

17.03.2004 (3. Tag):

Adrians 3. Therapiestunde. Er freute sich riesig auf Nicky, heute sollten wir etwas eher kommen, da Gail die Sprachtherapeutin Jennifer dazu gezogen hatte. Sie schaute nach Adrians Zungenbändchen, und ob er fähig ist Laute richtig zu bilden. Sie meinte, er wäre durchaus in der Lage mit diesem Zungenbändchen normal sprechen zu lernen und sie ist überzeugt, das er es könnte. Mit einer Buchstabentafel versuchte sie einige Laute mit ihm zu bilden, wobei sie unter anderem eine Babyzahnbürste zur Hilfe nahm, um die Zunge in die richtige Position zu lenken. Er sprach deutlich das „T“, „M“, „“B“ und mit Hilfe auch das „K“ aus. Wir sollten versuchen, im Spiel Worte wegzulassen und ihn damit zu animieren dieses Wort bzw. die ersten Silben daraus selbst zu bilden. Das brächte mehr, als das unter Druck setzende „sag mal...“. Während der Therapie konnte ich beobachten, das er sehr bemüht war seine gestellten Aufgaben ganz schnell korrekt auszuführen, um anschliessend in Kontakt mit dem Delphin treten zu können. Auf dem Dock kommt immer wieder Nicky.....wenn er sie rufen soll.

Was ist mir bisher an ihm aufgefallen? Ich bin der Meinung, das Adrian durchaus ruhiger geworden ist, Mama setzt er jetzt wesentlich gezielter ein und meiner Erachtens hat sich sein Gangbild verbessert, womit ich sagen will, er versucht schneller zu „rennen“. Weiterhin versuchen sie mit den PECS-Karten ihm die Kontrolle über den Verlauf zu geben und arbeiten in 2-Schritt Aufforderungen, welche sie steigern wollen.

Mein Fazit nach den ersten 3 Tagen: Ich glaube, das diese Art der Therapie sehr intensiv ist, alle Therapeuten sind sehr stark bemüht....und dieser Versuch hier eine Verbesserung zu erreichen durchaus ein Erfolg sein wird. Ich denke, die Nutzung der PECS-Karten wäre schon ein Riesenschritt Richtung verbesserte Kommunikation.

18.03.2003 (4. Tag):

Heute war der grosse Tag für die beiden Philipps, sie durften auf ein Dock und den Delphin streicheln, während Adrian seine Therapie gegenüber hatte.

Gail arbeitete heute auch an seiner Haltung, damit er aus seinem Rundrücken heraus kommt.

Heute war ausserdem ein Fernsehteam aus Chile vor Ort, welches auch Adrian bei seiner Therapiestunde filmte.

19.03.2004 (5. Tag):

Adrian hatte heute sehr viel Spass an der Therapie, er lachte viel und laut. Die Fotografin Melsia Caprio begleitete heute seine Therapiestunde. Gail meinte nach der Session, das Adrian deutlich versucht in Zweischrittaufgaben (d.h. ihm zwei Aufträge zu geben, die er hinter einander ausführen soll) zu arbeiten, bei der Dreischritt es aber an der Konzentration mangelt. Er versuche auch Doppelsilben nachzuahmen, sie arbeiten momentan an der Unterscheidung der einzelnen Konsonanten. Seine Mitarbeit wäre wie immer toll gewesen, er wäre immer bestrebt seine Aufgaben schnell zu erfüllen.

Mein Fazit nach der ersten Woche....Adrians Strahlen während der Begegnungen mit Nicky sind Geschenk genug für meine monatelangen Mühen, diese Therapie zu ermöglichen. Er ist in meinen Augen wesentlich ruhiger geworden, was mir die letzten beiden Tage auffiel, ist seine Grobmotorik, er versucht immer schneller zu gehen fast richtig zu rennen, sein Interesse am Lautieren ist gestiegen, momentan versuchen wir ihm beizubringen wie er heisst. Manchmal klappt es schon, das er erst das a sagt und ziemlich lang zieht und dann das diiii dranhängt, wenn wir das noch zusammenbekommen, als ein Wort, dann wäre das supertoll. Gail arbeitet bei den Silben mit Klatschen, womit sie die beiden Silben noch mal deutlich unterstreicht und ihm damit klarmacht, das sind zwei. Wie weiter oben erwähnt, ist Mama für ihn jetzt mehr Sinn bezogen und nicht mehr nur in einer Notsituation.

Gail erklärte mir, das sie weiter an der Feinmotorik arbeiten, um ihm damit mehr Kraft in die Finger zu geben. Alles in allem bin ich sehr zufrieden, und ich hoffe das wir zu Hause an das anknüpfen können, was hier aufgebaut wird, aber da bin ich positiv eingestellt, zumal seine Sprachtherapeutin auch an der Lautbildung und dem Wiedererkennen der Buchstaben arbeitet, sie malt mit ihm die Buchstaben, die sich gerade behandeln. Gail regte an, bei jedem Buchstaben den man übt dazu viele Wörter zu suchen. Beim „B“ zum Beispiel Ball, Bett, Bus, Buch...Dinge die er kennt und auch zeigen kann. Wir hoffen auf eine ebenso tolle wie erfolgreiche 2. Therapiewoche und haben die Anmeldung für 2005 schon abgegeben, ich denke sein Strahlen und der riesige Wille für diese Belohnung zu arbeiten ist Grund genug es erneut auf die Beine zu stellen.

2. Woche:

22.03.2004 (6. Tag):

Heute hatte Adrian wie immer wieder sehr viel Spass bei der Therapie, er hat richtig gut mitgemacht und wir haben einen kleinen Erfolg zu verzeichnen. Adrian hatte den ganzen Tag keine Windel um, und nur ein kleines Minimaleur ist passiert, er zeigte uns, wenn er mal auf die Toilette musste.

23.03.2004 (7. Tag):

Adrian freute sich wie immer auf Nicky und Gail, am Singkreis hat er Riesenspass, ich finde das supertoll, das die Kinder vorher gemeinsam Musik machen:

„Hier sind wir,
wir wollen tanzen, singen, spielen, musizieren,
hier bin ich,
mein Name ist Adrian und ich grüsse Dich!“

„Über Wasser, unter Wasser schwimmt ein kleiner Dolphin,
ü ber Wasser, unter Wasser schwimmt ein kleiner Dolphin,
seht Euch mal den Dolphin an, wie der Dolphin schwimmen kann,
ü ber Wasser, unter Wasser schwimmt ein kleiner Dolphin.

„Grau, ja grau sind alle meine Kleider, grau ja grau ist alles was ich hab,
darum lieb ich, alles was so grau ist,
weil mein Schatz ein Dolphin ist!“

Philipp und Philipp durften heute ganz kurz zu Adrian auf die Plattform und mit ihm gemeinsam die Stange halten, damit Nicky über sie springt. Adrian fand es supertoll, das seine Brüder dabei sein durften.

24.03.2004 (8. Tag):

Gail hatte heute wieder ein Gespräch mit Jennifer, der Sprachtherapeutin, geplant. Sie versuchte mit Adrian wieder Laute zu bilden und war sehr zufrieden mit ihm.

Während der Therapie versuchte Adrian immer mal das Salzwasser zu kosten. Er machte wieder toll mit und Gail sagte im Anschluss an die Session, das er mehrfach versucht hat, Nicky zu sagen.

Ein paar kleine Erfolge hatten wir auch wieder, Adrian sagte heute Abend nein, als er etwas nicht wollte und versuchte auch Danke, er lautiert weiterhin wesentlich mehr als vorher, leider hatten wir heute 2 nasse Hosen, aber den Nachmittag über hat es super geklappt. Ich hoffe, das wir es hier noch schaffen werden, das er tagsüber trocken wird, man muss ihn zwar immer wieder erinnern, aber das denke ich hat man bei einem „normalen“ Kind auch. Er ist ganz stolz, wenn er auf Toilette war und es tatsächlich geklappt hat. Am Nachmittag war Grillfest bei DHT. Es wurden Hot Dogs und Hamburger gegrillt, für die Kinder war es superschön, für Philipp wurde extra ein Geburtstagslied gesungen. Und hier hat Adrian es über 2 h geschafft trocken zu bleiben, als wir nach Hause gekommen sind, sind wir gleich zur Toilette und er musste dringend....ganz super hat er es gemacht....

Ich denke auch weiterhin, das Adrian Fortschritte gemacht hat, er ist immer noch ausgeglichener, wenn gleich auch immer noch ab und an Wutausbrüche kommen, er versucht weiterhin seine Stimme mehr als Kommunikationsmittel zu verwenden und er lernt durch Imitieren. Im Auto krabbelte sich Heino an der Nase, Adrian sass auf der Rücksitzbank und machte es ihm nach, wir versuchten es nochmals und wieder imitierte er, nun machte Heino eine andere Geste und das gleiche, Gail meinte auch das man bei ihm viel erreichen kann, wenn man dies aussnutze, man solle es ihm vormachen, was man gerne von ihm möchte, und man würde damit sicher mehr erreichen als mit Druck.

25.03.2004 (9.Tag):

Vorletzter Tag, heute heisst es langsam Abschied zu nehmen. Leider. Wir haben Adrian heute bei seiner Therapie auf dem Dock besucht, um Nicky auch einmal zu streicheln. Sie fässt sich fantastisch an, warm, glatt und stark und doch sanft. Adrian hatte riesige Freude daran, zu sehen, das wir da waren. Er lachte laut und genoss es uns zu beobachten, wie wir Nicky auch streichelten.

Gail meinte heute, das Adrian Fortschritte gemacht hätte, in der Kommunikation, bei der Lautbildung und Verwendung der 2. Silbe.

26.03.2004 (10. und letzter Tag):

Letzter Tag. Traurig fuhren wir zu Dolphin Cove, um Adrian zu seiner letzten Therapiestunde zu begleiten. Etwas wehmütig betraten wir das Gelände, und zogen Adrian um. Er freute sich wieder riesig. Gestern Abend schaute er sich die Fotos von der Therapie an und zeigte auf ein Foto von Gail und sich und sagte „Bail“ und das mehrmals hintereinander. Wieder ein kleines Wort mehr. Wir erzählten es Gail heute morgen. Sie freute sich auch riesig. Adrian hatte wie immer sehr viel Spass, ich filmte heute einen Teil seiner Therapie ganz nahe am Dock um auch die Gespräche mit zu bekommen, um zu sehen wie sie ihn zum reden und arbeiten animierten. Er lacht immer sehr laut. Nicky spritzte ihn mit Wasser voll. Nach der Session redeten wir noch mit Ines und Gail. Sie erklärte uns, was wir zu Hause weitermachen sollten, gab uns ein paar laminierte PECS Karten. Wir haben vor, die Slideshow und Videos von der Therapie als Belohnung einzusetzen. Wir hoffen ihm damit zumindest eine zeitlang einen Anreiz zum arbeiten zu geben.

Zum Abschluss bekam Adrian noch einen aufblasbaren Nicky, welcher mit lieben Grüssen signiert war.


© Simone Engels 2006 - 2017